Schornal

Zukunft. JETZT.

Auftritte

13
Oktober 2022
Donnerstag,
20:00 Uhr

Musikschule Lebring

15
Oktober 2022
Samstag,
19:30 Uhr

Wiener Konzerthaus

23
Oktober 2022
Sonntag,
11:00 Uhr

Mozarteum Salzburg

09
November 2022
Mittwoch,
19:30 Uhr

Stephaniensaal Graz

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Zukunft. JETZT.

Liebe Mitmenschen,

schon als Kleinkind saß ich Sonntag für Sonntag neben meinem Großvater an der Kirchenorgel. Zu Hause hörte ich ihm zu, wie er Gästen einfachste Volkslieder vorsang und sich dabei an der Zither begleitete oder seine selbst verfassten Mundartgedichte vortrug. Ich erlebte wie meine Eltern mit Querflöte und Klarinette „bewaffnet“ ausrückten um im Verbund mit oft über 50 anderen Musikanten und Sängern dörfliche Feste zu gestalten. Ich wurde sehr früh mit etwas „infiziert“, was ich heute – Jahrzehnte später – als „Zauber“ bezeichnen würde: Menschen stellen durch ihr kreativ-künstlerisches, im besten Fall durch ihr „musikantisches“ Tun Verbindungen her. Analog. Ohne WLAN. Ohne Bluetooth. Energie wird frei. Berührung entsteht.

Ausgestattet mit diesen Prägungen und Erfahrungen (und ab meinem 8. Lebensjahr auch mit einer Klarinette) durfte ich mich also auf den Weg machen und meinen Traum leben. Ich wanderte los und wurde zum Überzeugungstäter. Ich traf Gleichgesinnte, spielte Tag und Nacht, als hinge mein Leben davon ab. Ich gründete Festivals, Blaskapellen und Kammerensembles. Viele Komponisten konnte ich dazu motivieren mir neue Musik zu schreiben. Den Traum eines eigenen „Theaters“ erfüllte ich mir, in dem ich den ehemaligen Bahnhof Altenmarkt-Thenneberg erwarb und als „Haltestelle für Kunst aus allen Richtungen“ einer neuer Bestimmung zuführte. In unzähligen Kursen, Workshops und als Lehrender an der Musik und Kunst Privatuniversität Wien (MUK) hatte ich das Privileg (m)ein Feuer an andere Menschen weitergeben zu können. Ich durfte als Soloklarinettist in Orchestern wie den Münchner und Berliner Philharmonikern, der Staatskapelle Dresden, dem DSO Berlin, dem RSO Wien und vor allem in meinem – mir so zur musikalischen Heimat gewordenen Orchester – den Wiener Philharmonikern Abend für Abend Notenköpfe, schwarze Punkte und Notenhälse auf weißem Papier durch meinen Atem, durch meine Energie zum Leben erwecken. Ich wurde fast süchtig danach diese lebendige Luft in meine Klarinette zu blasen. Nicht alles gelang aber so vieles wurde möglich: Füße begannen im Takt zu wippen, Tränen kullerten über so manche Wange, es durfte gelacht werden, manchmal mussten sogar Zuhörer laut „Juhuuu“ schreien und oft wurde getanzt. Was für eine Magie, was für eine Ansteckung dufte ich mitauslösen, welch Welten erschlossen sich mir …

Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich diese Zeilen schreibe, weil es das ist, woran ich so fest glaube und weil es das ist wofür ich so brenne. Worte reichen nicht.

Warum teile ich diese doch sehr persönlichen Gedanken hier öffentlich?

Ich bin kein „Impfgegner“ und schon gar kein „Coronaleugner“. Meine Mutter arbeitet an „vorderster Front“ als  (gegen Corona geimpfte) Krankenschwester im von der Pandemie momentan besonders stark betroffenen Bezirk Hallein in meiner Heimat, im Salzburger Land. Ich selbst habe (auch aufgrund meiner schulmedizinischen Prägung seitens der Mutter) fast alle „gängigen“ Impfungen bekommen und diese auch mittels Titerbestimmung regelmäßig auf ihre aufrechte Schutzwirkung überprüfen lassen.  Eine meiner besten Schulfreundinnen aus meiner Zeit am Wiener Musikgymnasium (so wie ich 39 Jahre alt) ist mit einer „Long Covid“-Erkrankung seit über einem Jahr fast durchgehend ans Bett gefesselt. Daher bin ich sehr dankbar dass es die Corona-Schutzimpfung gibt und halte diese auch für eines von mehreren wichtigen Werkzeugen (vor allem für besonders gefährdete Personengruppen), um diese nicht zu verleugnende Pandemie bekämpfen zu können. Ich bin kein „Verschwörungstheoretiker“, kein „ungebildeter Rechtsradikaler“, kein „Querdenker“ und ich trage auch keinen „Aluhut”. Ich versuche mich umfassend zu informieren, viel zu lesen um dann „selbst denken“ und „selbst entscheiden“ zu können. So wie jeder Mensch versuche ich andere Menschen und Institutionen zu finden, denen ich mein Vertrauen schenke, um mir dann in weiterer Folge „selbst vertrauen“ zu können.

Ja, ich lasse mich bei der Bildung dieses Selbst-Vertrauens von meinem Bauchgefühl leiten. Dieses Gefühl hat keinerlei wissenschaftliche Evidenz, dennoch ist es ist ein sehr, sehr starkes und wichtiges Gefühl. Ich bin weder Mediziner, noch Virologe, Simulationsforscher oder Politiker und habe zu all diesen Themenbereichen natürlich viel zu wenig (Fach)-Wissen. Was ich aber sicherlich bin: ein überzeugter Musikant, der einen unbändigen Glauben an den anfangs skizzierten Zauber von Kunst und Musik in sich trägt. Ich bin jemand, der sich wünscht, dass – wenn diese Corona-Krise überstanden ist, und das wird sie hoffentlich irgendwann sein – dass dann noch ein paar „Gebäude“ und „Verbindungen“ in Takt sind und nicht alles in Schutt und Asche liegt. Dass wir nicht in die Falle tappen uns spalten zu lassen, dass wir uns die Hände reichen. Dass wir im Gespräch bleiben, dass wir kommunizieren. All das, dieses „Verbindungen herstellen“ (mit und ohne Klarinette) sehe ich bei aller Demut und Bescheidenheit als meine „Kernkompetenz“ als Künstler, als Musiker und dazu möchte ich (m)einen Beitrag leisten.

So bin ich aus voller Überzeugung Teil der Bewegung „Zukunft JETZT“ (www.zukunft-jetzt.at) und habe (gemeinsam mit vielen anderen herzensgebildeten Menschen) ein „Manifest für einen humanen und ökologischen Umgang mit der Pandemie“ unterzeichnet. Auch in den basisdemokratisch organisierten Versammlungen der Wiener Philharmoniker werde ich weiterhin meine (verletzliche) Stimme für einen versöhnlichen Umgang mit dieser sehr fordernden Situation erheben. Mit Staatsoperndirektor Dr. Bogdan Roščić, der mich als Reaktion auf eine lange Email meinerseits zu einem eineinhalbstündigen, sehr wertschätzenden Vieraugengespräch in die Direktion der Oper eingeladen hat, werde ich weiterhin im Austausch bleiben. Ohne die Piratenfahne zu hissen und ohne mich über geltende Regeln hinwegzusetzen, werde ich versuchen in meinen Tätigkeitsbereichen als freischaffender Musiker und als Veranstalter, auch für all die Menschen weiterhin da zu sein, die sich momentan vom Kulturbetrieb ausgegrenzt und ausgeschlossen fühlen, einfach deshalb, weil mir dieser Teil der Bevölkerung gleich viel wert ist wie alle anderen Menschen.

Es kann, darf und wird keine Bruchlinie zwischen geimpften und ungeimpften Menschen geben! Für diese Haltung und Überzeugung möchte ich einstehen.

Daher biete ich allen, die sich (aufgrund ihres Impfstatus oder aus welchen Gründen auch immer) vom Besuch meiner Konzerte und Veranstaltungen ausgeschlossen fühlen an, per Stream oder Aufzeichnung digital an diesen teilzunehmen. Schicken Sie mir einfach eine Nachricht mit dem gewünschten Konzert/mit der gewünschten Veranstaltung und dem Wort „Stream“ an [email protected] und Sie bekommen von mir einen Link bzw. die Aufnahme kostenlos zugestellt!

Und um konsequent zu bleiben gehe ich noch einen Schritt weiter: wenn Sie  – so wie ich – das Gefühl haben, dass diese digitale Substitution kein adäquater Ersatz für ein Liveerlebnis sein kann, dann schicken Sie eine Nachricht mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse und dem Wort „Live“ an [email protected]! Ich werde einen Termin vereinbaren um persönlich (und selbstverständlich mit ausreichend Abstand) für Sie in Ihrem Wohnzimmer bzw. vor Ihrem Fenster im Garten (je nach Wunsch) einen Ländler oder ein Schubert-Lied zu spielen. Sollte es mir zeitlich und/oder geographisch nicht möglich sein persönlich zu Ihnen zu kommen, werde ich dafür Sorge tragen, dass ein Kollege/eine Kollegin meines Orchesters, ein(e) Musikerfreund(in) aus der Woodstock der Blasmusik-Community oder irgendjemand aus meinem unendlich weiten, bunten und diversen Musikantenuniversum Ihnen einen Besuch abstattet.

Das verspreche ich.

Man möge mich auslachen, wenn ich behaupte einen kausalen Zusammenhang darin zu sehen, dass wir momentan volle Krankenhäuser, aber (fast) leere Opern- und Konzerthäuser in unserem Land vorfinden. Ich möchte diesen Zustand als gesellschaftliche Chance begreifen und ein kleiner Wegweiser sein, auf einem Pfad, der uns nicht „zurück zur Normalität“, sondern hin zu mehr Achtsamkeit, Liebe und Verbundenheit mit allem Lebendigen führt. Ein Pfad an dessen Ende nichts weniger stehen kann als eine gemeinwohlorientierte und gesamtsolidarische Neugestaltung unserer Gesellschaft.

Matthias Schorn, im Jänner 2022

Wenn auch Sie Teil der Bewegung „Zukunft JETZT“ sein möchten bzw. das „Manifest für einen humanen und ökologischen Umgang mit der Pandemie“ mitunterzeichnen möchten, können Sie das hier tun.

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