Pressestimmen

Mit Mozart ins Jubiläumsjahr

Mit einem Mozartprogramm ging am Sonntag die Sinfonia Christkönig unter Eduard Matscheko in ihre zehnte Saison – unter der Patronanz der Wiener Philharmoniker.

Am Beginn des Konzerts in der Pfarrkirche Christkönig in Linz-Urfahr standen Motive aus Mozarts Werken, gesehen durch die Brille der Komponistin Claudia Federspieler, die in Anlehnung an Tschaikowskys “Mozartiana” und inspiriert von Balduin Sulzers “Mozartiana II” eine weitere, eben die Nummer III für Soloklarinette und Orchester entwarf. Ein höchst gelungenes dreisätziges Werk, das dem Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker, Matthias Schorn, auf den Leib geschneidert ist und diesem technische Virtuosität und feine Klanglichkeit abverlangte. Schorn überzeugte auch beim Mozart’schen Klarinettenkonzert. Dazwischen die lebendig musizierte C-Dur-Symphonie KV 338, bei der sich die Sinfonia Christkönig unter Eduard Matscheko bestens präsentieren konnte.

Fazit: Ein gelungener Auftakt zur zehnten Saison mit einer beeindruckenden Uraufführung.

4. Oktober 2022

Glänzender Saison-Auftakt

Festlich-erwartungsvolle Stimmung in der von Besucherscharen gefüllten Linzer Friedens-(Christkönig-)Kirche: Die Sinfonia Christkönig startete unter der Leitung von Eduard Matscheko am vergangenen Sonntag in die neue Saison mit einem Konzert, das ausschließlich dem Thema „Mozart“ gewidmet ist und ein kleines Jubiläum feiert: denn seit zehn Jahren genießt das Orchester, das in seinen Anfängen auf das Jahr 2001 zurückgeht, die Patronanz der Wiener Philharmoniker, die wegen der offensichtlichen Qualität und Ambition der „Sinfonia“ kürzlich verlängert wurde. Das Programm beginnt mit einer Uraufführung: „Mozartian III“ von Claudia Federspieler für Klarinette und Orchester; den Solo-Part gestaltet Matthias Schorn, Erster Klarinettist der Wiener Philharmoniker, ein ebenso brillanter wie weltoffener Musiker. Das dreisätzige Werk, attaca gespielt, ist eine einfallsreiche und originelle Hommage an Mozart, das an ähnliche Unternehmungen von Tschaikowski und Balduin Sulzer anschließt. Es trägt die charmante Handschrift der Komponistin auf einer Art musikalischem Palimpsest, unter dem die Signaturen der prominenten Vorgänger noch durchscheinen, und stellt dennoch ein eigenständiges, im besten Sinn unterhaltsames Opus dar. Ihm folg Mozarts zügig und schwungvoll präsentierte Sinfonie in C-Dur Nr. 34, KV 338, die in zeitlicher Nachbarschaft zur „Haffner-„ und „Pariser“ Sinfonie entstanden ist. Leichte Eintrübung: Die Dominanz der Blechbläser in den Ecksätzen, wohl der Kirchenakustik geschuldet. Schließlich der Höhepunkt: Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur, KV 622. Die Art und Weise, wie Matthias Schorn den Solo-Part in all seinen Facetten aufblühen lässt, kann man ohne Übertreibung als einmalig bezeichnen. Technisch über den Dingen stehend, kostet er mit jener (scheinbar) spielerischen Leichtigkeit, die den wahren Meister auszeichnet, das gesamte dynamische und melodische Spektrum mit feinst differenzierter Phrasierung aus. Das Orchester bietet unter dem eleganten wie zielbewussten Dirigat Matschekos eine dezente, einfühlsame Basis. Stürmischer Applaus und Standing Ovations!

29. September 2022

World Band Festival – Die Supergroup vergoldet einen prominenten Blechhaufen süffig und virtuos

Vom Da Blechhauf’n bis zu den Wiener Philharmonikern, von den Egerländern bis zu Mnozil Brass vereinten am Mittwochabend die Topbläser der Supergroup Spielfreude und süffige Sounds. Ähnlich wie beim Lucerne Festival Orchestra, bei dem Topmusiker aus verschiedenen Spitzenorchestern zusammenkommen und gemeinsam auf höchstem Niveau musizieren, ist es bei der vom Trompeter Thomas Gansch zusammengestellten Blasmusik Supergroup. Auch da spielen Spitzenmusiker aus verschiedenen Formationen so zusammen, als hätten sie das schon immer getan.

Am Mittwochabend begeistern sie die zahlreichen Besucherinnen und Besucher im KKL mit ihrem süffigen Sound und ihrer Spielfreude. Thomas Gansch ist nicht nur ein exzellenter Trompeter, er ist auch ein Entertainer, der das Publikum schnell auf seiner Seite hat. Er erfüllt sich mit diesem Projekt den Kindheitstraum, die Musik, die ihn seit seiner Jugend begleitet, neu zu interpretieren. Er tut es zusammen mit den besten Bläsern, die er kennt. Und so bringt er Musiker der Egerländer Musikanten, von Mnozil Brass, Da Blechhauf’n, der Vereinigten Bühnen Wien, der Wiener Philharmoniker und anderen zusammen. Wie hervorragend das passt, ist so vielseitig wie überraschend in den Märschen und Polkas zu hören.

Gleich im Marsch von Julius Fučik zeigen Klarinettisten der Wiener Philharmoniker und des Kärntner Sinfonieorchesters ihren Schmelz und ihre Virtuosität. Da schwelgen sie in böhmischen Melodien, zart begleitet von Tuba und Tenorhörnern. Und temperamentvoll spielen alle miteinander die schmissigen Rhythmen. Gross-sinfonischen Klang entfalten sie in der festlichen Ouvertüre op. 96 von Dimitri Schostakowitsch, fantastisch arrangiert vom Tubaspieler Albert Wieder (Da Blechhauf’n). Im Slowakischen Tanz Nr. 1 von Václav Vačkář gelingen die vielen Tempowechsel, stimmungsvolle Dur-Moll-Verschiebungen und überraschende Generalpausen so spannend wie farbenreich. Und wenn Thomas Gansch einen zuckersüssen Walzer ankündigt, dann klingt der auch so.

Weich und gefühlvoll spielen Hans Gansch, Trompete, und Alexander Wurz, Tenorhorn, die Soli in <>. Und wenn Thomas Gansch in seinem knallroten Anzug quer über die Bühne hüpft, passt auch das zur Musik. In der Pause hört man allenthalben begeisterte Kommentare, die Stimmung ist so quirlig wie die Musik. Dann geht es turbulent zu in von Theo Rupprecht. Da wird nicht nur höchst virtuos gespielt, auch geschrien und aufgestanden, die Windmühlen scheinen über alle herzufallen. Und das Publikum klatscht mit.

Schöner Gegensatz dazu sind die von Adolf Langer, bei denen Thomas Gansch die vierte Klarinette auf der Trompete subtil ersetzt. Dann singt er auch noch die von Hans Lang, spitzbübisch und augenzwinkernd. Aber am besten ist doch der unglaublich variable Sound der Truppe, sie hören aufeinander, sind eine verschworene Gemeinschaft. Auch wenn sich die Märsche immer wieder gleichen, der Klang ist bestechend schön. So schön, dass das Publikum immer noch applaudiert, während die Musiker nach zwei Zugaben den Saal bereits verlassen haben.

Wenn Musik um Emotion ringt

Das aktuelle Brucknerhaus-Team geht gerne auf Entdeckungsreise und bringt vollkommen zu Unrecht Vergessenes ans Licht – mit der Absicht, das gängige Repertoire zu erweitern. Doch nicht immer geht man nach so einem Konzert ausschließlich beglückt nach Hause. Das war auch beim Kammermusikkonzert mit dem Fauré Quartett am Freitag im Brucknerhaus der Fall.

Eines vorweg: Wäre da nicht eines der weltweit führenden Ensembles auf der Bühne gesessen und hätte gemeinsam mit Matthias Schorn (Solo-Klarinettist der Wiener Philharmoniker) derart viel Energie in die gigantischen Werke gelegt, wäre der Abend nicht bloß lang, sondern auch langatmig geworden.

In der Bruckner-Nachfolge ist der Komponist Franz Schmidt (1874-1939) einer der großen, aber auch umstrittenen Komponisten. Das Klarinettenquintett ist sein letztes vollendetes mehrsätziges Werk, das mit zwei Aspekten zu kämpfen hat: Zum einen ist es Paul Wittgenstein gewidmet, jenem Pianisten, der im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verlor, aber durchaus seine Rolle einforderte, was einem derart großen Kammermusikwerk klanglich nicht entgegenkommt. Hier fehlt trotz der virtuos eingesetzten linken Hand die Klangfülle des Flügels. Zum anderen hat das über eine Stunde dauernde Werk Längen, die nicht so himmlisch sind wie jene in Schuberts Kammermusik. Trotz großartiger Interpretation wird das alles schwerverdaulich. Zumal auch das mit knapp 45 Minuten ebenfalls gewaltige 1. Klavierquartett op. 16 von George Enescu im ersten Teil Musikern und Publikum viel abverlangt.

Enescu meint, dass “Polyphonie das wesentliche Prinzip” seiner musikalischen Sprache sei. Das ist spannend zu analysieren, auch interessant zu erarbeiten, zeigt aber in der Fülle an Einfällen jenes Problem der Verdichtung in der spätromantischen Musik: Schönberg, der im gleichen Jahr wie Franz Schmidt zur Welt kam, versuchte dies radikal mit seinem Schritt in die Atonalität und damit in die formale Knappheit zu lösen.

Man muss in allen Fällen den famosen Musizierenden des Fauré Quartetts und bei Schmidt zusätzlich Matthias Schorn dankbar sein, diese gewaltigen Werke so lebendig wie möglich musiziert zu haben. Ob diese jedoch gängiges Repertoire werden, ist zu bezweifeln.

Fazit: Eine fulminante Großtat für interessante, aber doch grenzwertige Riesenwerke.