Pressestimmen

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9. Februar 2026

Begeisterung, Neugier und große Stimmen

Die „Pforte um 8“ im Festsaal der Stella war eine musikalische Einladung zur Vielfalt.

Feldkirch. Am Freitagabend trafen im Festsaal der Stella Vorarlberg Privathochschule in Feldkirch ein selten gespieltes Werk der Wiener Moderne, ein kanonisches Spätwerk Mozarts und eine orchestrale Hommage an Miriam Makeba aufeinander, nicht als bloße Kontrastfolie, sondern als bewusst gesetzte Stationen musikalischer und gesellschaftlicher Erfahrung.

Zwischen Moderne und Tradition

Den Auftakt bildete die Sinfonie für Streichorchester von Vilma von Webenau, einer heute kaum noch bekannten Komponistin. Sie war Schülerin Arnold Schönbergs und stand somit in unmittelbarer Nähe eines epochalen Umbruchs. Die Sinfonie gehört nicht zu den Werken, die sich mit zwingender Notwendigkeit ins Repertoire drängen, Webenaus Tonsprache verbleibt in der erweiterten Tonalität des frühen 20. Jahrhunderts, arbeitet mit chromatischen Verschattungen, dichter Harmonik und kontrapunktischer Spannung, ohne die Schwelle zur Atonalität zu überschreiten. Man hört eine Komponistin, die die Möglichkeiten ihrer Zeit kennt, sie sorgfältig auslotet, aber vor dem letzten Schritt innehält.

Mit Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur KV 622 rückte anschließend ein Werk ins Zentrum, dessen Qualität keiner Rechtfertigung bedarf und dessen Größe sich im Verzicht auf äußerliche Effekte zeigt. Matthias Schorn, Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, übernahm den Solopart und zugleich die Leitung des Orchesters, eine Doppelrolle, die dem dialogischen Charakter des Werks spürbar entgegenkam. Mozarts Klarinette ist hier keine virtuose Selbstdarstellerin, sondern eine sprechende, atmende Stimme, die sich selbstverständlich durch alle Register bewegt und stets in Beziehung zum Orchester bleibt. Schorn gestaltete diese Linie mit klanglicher Selbstverständlichkeit, zurückhaltender Präzision und einem Gespür für die Ruhe, die dieses späte Werk prägt. Besonders im Adagio entfaltete sich jene schlichte Eindringlichkeit, die aus Kontrolle entsteht und den Raum zwischen den Tönen ebenso ernst nimmt wie die Töne selbst. Das Finalrondo gewann seine Leichtigkeit aus formaler Klarheit; es war tänzerisch im Gestus und doch sorgfältig gebaut. Die jungen Musiker begleiteten transparent und aufmerksam, nie bloß stützend, stets im Dialog, sodass sich ein Gesamtbild von großer Ausgewogenheit ergab.

Nach der Pause öffnete sich der Abend in eine andere Richtung. „A Tribute to Miriam Makeba” vereinte Songs der südafrikanischen Sängerin in orchestralen Arrangements von Ursula Reicher, Laura Winkler und Raphaela Fröwis. Dabei wurde musikalische Vielfalt mit biografischer Erinnerung verbunden. Miriam Makeba war mehr als eine Sängerin; sie war eine Stimme, die sich weder musikalisch noch politisch einhegen ließ und deren Lebensweg untrennbar mit Exil, Widerstand und öffentlicher Haltung verbunden blieb. Das Pforte Kammerorchester Plus, bestehend aus Musiker der Iberacademy Medellin, der Bochabela Strings Bloemfontein, der Stella Musikhochschule Feldkirch und weiteren europäischen Hochschulen, verlieh dieser Hommage eine klar internationale Prägung. Kamohelo Moshoaliba und Sicelo Christopher Njapha überzeugten als Sänger mit Leidenschaft, rhythmischer Sicherheit und einer Natürlichkeit, die den Liedern ihre Herkunft ließ, ohne sie folkloristisch zu verengen. In einzelnen Songs ergänzte Martin Lindenthal das Ensemble.

Hommage mit Haltung und Energie

Diese letzte Programmhälfte verwandelte den Festsaal in einen vibrierenden Raum gemeinsamer Erfahrung, in dem sich Aufmerksamkeit ganz selbstverständlich in Begeisterung verwandelte und Musik nicht erklärt werden musste, weil sie unmittelbar wirkte. Die Energie, die von der Bühne ausging, sprang spürbar auf das Publikum über und machte deutlich, dass Miriam Makebas Lieder auch in orchestraler Gestalt nichts von ihrer Direktheit, Wärme und Kraft eingebüßt haben. Großer Applaus und beste Stimmung zeigten, wie sehr diese Musik berührt, verbindet und mitreißt. So spannte sich an diesem Abend ein weiter, lebendiger Bogen von der suchenden Moderne über die klassisch gereifte Klarheit Mozarts bis hin zu einer Musik, die aus gelebter Geschichte, Haltung und Lebenslust spricht.

7. Februar 2026

„Zugehörigkeit“ als mitreißendes Jahresthema 

Die Reihe „musik in der pforte“ eröffnete das Konzertjahr mit ganz unterschiedlichen internationalen Musikern und Musikerinnen. Das Publikum im Festsaal der Stella in Feldkirch war begeistert. Schon einmal waren die Bochabela Strings mit der Kombination von afrikanischer Musik und einem Werk Mozarts sehr erfolgreich, und zwar bei den Bregenzer Festspielen 2023. Warum nicht nochmals diesen Erfolg herausfordern, zumal mit Matthias Schorn ein Solist auf der Klarinette zugegen war, der das legendäre Klarinettenkonzert von Mozart ebenso brillant spielte, wie er dann nach der Pause jazzige Sounds zu den Gesängen von Miriam Makeba beisteuerte.

Spannende Verbindungslinien

Doch auch die Sinfonie von Vilma von Webenau, die das Konzert eröffnete, hatte mit Mozart zu tun, war doch die Großmutter der Komponistin, Julie von Webenau, Schülerin des Sohnes von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Xaver Mozart. Vilma selbst war die erste Schülerin von Arnold Schönberg, und die Sinfonie, die beim „pforte“-Konzert am Donnerstag im Festsaal der „Stella“ in Feldkirch erklang, ist wohl in der Nachfolge Richard Wagners einzuordnen. Mit zarten Einsprengseln von Atonalität – ein nicht eben mitreißender Beginn des ansonsten großartigen Konzerts.

Ein berufener Interpret für Mozart

Das folgende Klarinettenkonzert von Wolfgang Amadé Mozart ist eines der wunderbarsten Werke der Klassik überhaupt, und Matthias Schorn, unter anderem Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, ist dafür ein berufener Interpret. Als Solist und Dirigent in einer Person hat er sowohl die jungen Orchestermusiker in der Hand und arbeitet mit ihnen sehr schön die bei Mozart essenziellen Hell-Dunkel-Kontraste heraus. Zudem vermag er seiner Klarinette Töne von kaum zu fassender Weichheit und Leichtigkeit zu entlocken.

Den Saal zum Kochen gebracht

Und nach der Pause entdeckte man den prominenten Matthias Schorn in den Reihen des Orchesters, wo er immer wieder mit tollen Soli aufhorchen ließ. Diese waren Teil von Orchesterfassungen von Liedern der südafrikanischen Sängerin und Bürgerrechtlerin Miriam Makeba. Und war mit Mozart schon allerbeste Stimmung im Saal, so kochte die Begeisterung im Saal bei diesen Liedern noch einmal höher. Großen Anteil daran hatten die Sängerin Kamohelo Moshoaliba und der Sänger Sicelo Christopher Njapha, zeitweise unterstützt von Martin Lindenthal, der auch das Orchester zum Singen brachte. Ein Konzert, das das Jahresmotto der „pforte“ 2026, das „Zugehörigkeit“ lautet, widerspiegelte, und das nach einem zweiten Konzert gestern am Freitag heute noch einmal in Hittisau im Ritter von Bergmann-Saal über die Bühne gehen wird. Prädikat: unbedingt hingehen!

6. Februar 2026

Ein Fest zu Ehren von Miriam Makeba und Mozart 

Mit einem reichhaltigen Konzertprogramm eröffnete die Abonnementreihe „Musik in der Pforte“ die neue Saison. Angekündigt war das Pforte Kammerorchester Plus mit Musiker:innen der Bochabela Strings sowie der Iberacademy und Studierenden der Stella Musikhochschule. Matthias Schorn stand mit Mozarts Klarinettenkonzert im Mittelpunkt. Überdies ehrte das Konzert die Sängerin und Aktivistin Miriam Makeba, die mit ihrem künstlerischen Schaffen ihr Leben lang gegen die Apartheid angekämpft hat. Kamohelo Moshoaliba, Sicelo Christopher Njapha und Martin Lindenthal sangen die berührenden Songs, unterstützt von Zuko Samela an der Percussion. Die speziell für diesen Anlass arrangierten Werke wurden durch den Esprit aller Orchestermitglieder und die originellen Klarinettensoli von Matthias Schorn bereichert. Am Ende des mitreißenden Konzertes hielt es die Zuhörenden kaum auf ihren Sitzen. Mit Standing Ovations dankten sie für das musikalische Fest im Zeichen der Solidarität und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Weiter gefeiert wurde schließlich mit einer Afro-House-Late-Night-Party. Musikalisch lässt sich die Vielseitigkeit des Konzertabends kaum fassen. Unter dem Leitgedanken der aktuellen Pforte-Saison war das Konzert ein herzergreifender Austausch zwischen Musiker:innen unterschiedlichster Herkunft. Mit voller Begeisterung und höchstem Können widmeten sie sich musikalisch unterschiedlichen Welten und boten den Zuhörenden eine tiefgehende Unterhaltung. Nach der Symphonie für Streichorchester von Vilma von Webenau, die mit Bedacht auf die Klanglichkeit und in enger Abstimmung zwischen den zehn Ensemblemusiker:innen dargeboten wurde, wandte sich das Pforte Kammerorchester Plus zusammen mit Matthias Schorn Mozarts Klarinettenkonzert zu. Er ist Mitglied der Wiener Philharmoniker und blickt als international gefeierter Musiker weit über die klassischen Genregrenzen hinaus. Überdies engagiert er sich für gesellschaftlich relevante, künstlerisch aufbereitete Themenfelder, wie sie von Klaus Christa in den Pforte-Programmen initiiert werden.

Souveräner Solist

Matthias Schorn agierte als musikalischer Leiter, vom Konzertmeisterpult aus unterstützt von Raul Campos, und als Solist. Seine Interpretation des vielgespielten Klarinettenkonzerts zog die Zuhörer:innen und die  Orchestermitglieder gleichermaßen in den Bann. Mit höchster Aufmerksamkeit und Präsenz folgten die Musiker:innen dem souveränen Solisten, unterstützten die melodischen Linien und reagierten als sensible Partner:innen mit einem ausgeprägten dynamischen Gespür. Der Dialog zwischen dem Solisten und dem Orchester ließ die Emotionen des Werkes voll zur Geltung kommen und setzte zahlreiche mitreißende Höhepunkte.

Wichtige Themen

In der zweiten Konzerthälfte ehrte das Pforte Kammerorchester Plus Miriam Makeba. Alle ihre Songs tragen eine politische und soziale Botschaft. Sie sind Zeugnisse des Widerstands gegen die Apartheid sowie Ausdruck der eigenen und kollektiven Identität der Black People in Südafrika. Wie Klaus Christa eingangs erwähnte, war auch das Pforte-Konzert von politischen Umständen beeinträchtigt. Eigentlich hätte es eine Wiederbegegnung mit der Bratschistin und Sängerin Mookho Rankhala geben sollen, an die sich wohl zahlreiche Pforte-Abonnent:innen erinnern. Doch die Musikerin wartet nach ihrer Heirat in Portugal seit fast einem Jahr auf einen offiziellen Aufenthaltstitel und konnte deshalb nicht reisen.

Mitreißende Gestaltungsfreude

An ihrer Stelle sangen Kamohelo Moshoaliba und Sicelo Christopher Njapha, beide sind Mitglieder des Pforte-Kammerorchesters. Sie beeindruckten mit ihrer einfühlsamen Gesangskunst. Zur Hochform lief Sicelo Christopher Njapha auf, er begeisterte mit seiner großen Bühnenpräsenz und seinen flexiblen Registerwechseln. In einigen Songs ergänzten Martin Lindenthal sowie ein Männer-Vokaloktett das Duo. Besondere Aufmerksamkeit zogen die unterschiedlichen afrikanischen Sprachen der Songs auf sich, darunter auch die berühmten „Klicklaute“. Die für diesen Anlass gefertigten Arrangements von Ursula Reicher und Laura Winkler boten der Sängerin und den Sängern eine ausgezeichnete orchestrale Grundlage. Musikalisch vereinten die Lieder einen ausgeprägten tänzerischen Rhythmus, Volksmusik und Jazz. Die energiegeladene Spielweise der Orchestermusiker:innen und die jazzig phrasierten Passagen von Matthias Schorn, der die musikalischen Verläufe auch gegen den Strich bürstete und die Musiker:innen herausforderte, machten die Darbietungen zu einem mitreißenden musikalischen Erlebnis. Anschließend wurden die Gäste ins benachbarte Pförtnerhaus geladen, wo bei einer Afro-House-Party weiter gefeiert wurde.

26. Januar 2026

Zum ersten Mal seit 1999: Die Wiener Philharmoniker verzaubern Tirol!  

Gemeinsam mit Karina Canellakis und ihrer hauseigenen Solistin Albena Danailova brachten die Wiener Philharmoniker ihren verzaubernden Klang ins Festspielhaus auf der verschneiten Alpenwiese im malerischen Tiroler Erl. Insbesondere Beethovens zweite Sinfonie wurde zu einem der berührendsten Momente der jüngeren Konzertgeschichte. Erst zum zehnten Mal überhaupt in ihrer mittlerweile 180-jährigen Geschichte würden die Wiener Philharmoniker heuer im Bundesland Tirol konzertieren, verkündete Geschäftsführer Hans Peter Haselsteiner stolz bei seiner Einführungsrede. Nun ja, es gibt anderseits auch so einige Ecken der Welt, da würde man sich überhaupt mal ein einziges Konzert dieses einzigartigen Orchesters wünschen… und kann ganz nebenbei auch nicht mit dem Railjet Express einfach mal schnell in deren Sommerresidenz nach Salzburg fahren. Tiroler Luxusprobleme. A bisserl’ Lokalpatriotismus darf auch sein.

Philharmonikerzauber im malerisch verschneiten Erl

Trotz oder vielleicht gerade wegen des leicht abgelegenen Ortes mitten auf einer weiß beschneiten grünen Wiese im malerischen Tiroler Erl wurde dieses Konzert zu einem der magischsten Momente der jüngeren Klassikgeschichte. Stichwort weiß beschneit: Die Natur hätte wohl kaum ein passenderes Präludium zu Beethoven bieten können als mit ein paar sanft von Himmel fallenden Schneeflocken. Eine kleine Reise in die Uraufführungsära dieser Sinfonien, damals war der Weg in den Konzertsaal noch wesentlich öfter schneebedeckt als zu Zeiten des Klimawandels.Und die Musik war nicht weniger spektakulär als die Atmosphäre. Insbesondere Beethovens zweite Sinfonie beleuchteten die Musiker hier in gänzlich neuem Schein. Eigentlich ein recht unspektakuläres Werk, doch zauberte Dirigentin Karina Canellakis aus dieser Partitur einen mitreißenden Beethoven-Rausch. Rasch in der Tat stürzte sie das Orchester schon in die Einleitung, ehe die zugigen Melodien dieses Werk flott durch den Saal tanzten. Frau Canellakis zündete in diesen altbekannten, in Konzertprogrammen auf und ab gespielten Melodien eine völlig neue Energie, ließ die vielen sanften Töne dieses Werk dennoch stets charmant und wienerisch elegant den Abend schmücken. Dieses feurige Dirigat setzten die Musiker mit makelloser Präzision um. Insbesondere Soloklarinettist Matthias Schorn kostete mit dem glanzvollen Klang seines Instruments jeden Ton aufs Feinste aus, während auch die Streicher ihren gewohnt zauberhaften Klang auf der musikalischen Zunge zergehen ließen. Konzertmeisterin Albena Danailova zog die langen melodischen Bögen souverän über die Bühne und ließ ihre Liebe zu dieser Musik sicht- und spürbar  in die musikalischen Herzen des Publikums strahlen.

Mendelssohn mit großem Ton

Frau Danailova trat vor der Pause auch als Solistin des Mendelssohn Violinkonzerts auf. Auch hier holte sie mit großem Ton wunderbar die berührenden musikalischen Emotionen aus den Melodien. Leider hatte sie an der einen oder anderen Stelle hörbare Intonationsprobleme, bei ihrem derzeitigen Pensum – erst am Mittwoch hatte sie in Hamburg gleich mehrere mindestens genauso fordernde Konzertmeistersoli von Richard Strauss spektakulär gespielt – sei es ihr allerdings verziehen. Als Eröffnungswerk hatte man noch Mendelssohns Sommernachtstraum-Ouvertüre gespielt. Auch hier spürte man die astrein klingenden Flötenakkorde in die musikalische Seele eindringen und die fetzigen Streicherläufe eine namenlose Freude im Saal verbreiten. Leider ist auch dieses Haus anscheinend nicht immun gegen die immer zahlreicher klingelnden Handys: In diesem gerade mal 12-minütigen Werk versuchten gleich an mehreren Stellen ein paar elektronische Geräte im Publikum offenbar einen nicht von Mendelssohn vorgeschriebenen Kontrapunkt zu spielen. Das stört!

Erl steigt an die Klassikspitze 

Alles in allem: Nach diesem Beethoven-Zauber verließ man das Erler Festspielhaus völlig verzaubert in die märchenhafte Tiroler Winternacht. Mit diesem musikalischen Paukenschlag erhebt Intendant Jonas Kaufmann – der, ganz nebenbei, in der Pause im Foyer rumlief – sein Festspielhaus auf der grünen Wiese mal wieder an die Spitze der Klassikwelt.