Pressestimmen

4. Mai 2022

Alles andere als Musikantenstadl
Das Klarinetten-Festival “clariMondo” des Bundes deutscher Blasmusikverbände (BDB) mit Sitz in Staufen brachte mit einem Konzert der österreichischen Band “Faltenradio” ein spektakuläres Konzert ins Kurhaus von Bad Krozingen. Mit einem außergewöhnlichen Crossover-Mix aus Klassik, Volksmusik, Jazz und Pop begeisterten die vier Musiker die zahlreich erschienenen Musikfreunde.
Das Konzertmotto lautete “Landflucht”. Der geschäftsführende Präsident des BDB, Christoph Karle, äußerte sich in seiner Begrüßungsansprache erfreut darüber, dass das Festival nach zweijähriger Corona-Pause wieder stattfinden konnte. Diese Freude wurde sowohl vom Ensemble als auch vom Publikum geteilt, was sich bei der Darbietung des Songs “Gut wieder hier zu sein”, einem Arrangement von Faltenradio nach dem bekannten Hannes-Wader-Lied, deutlich zeigte. Nicht zuletzt darin, dass die Zuhörer begeistert mitsangen.
Das musikalische Konzept von “Faltenradio” beruht auf Kontrasten. Angefangen hat alles schon in der Jugend der vier Musiker, natürlich mit volkstümlicher Blasmusik. Schon “der Pfarrer erkannte das Talent” der Jungen und “schickte sie in die Stadt” zum Studieren. Dort fand das Quartett den Weg zur Klassik und zu anderen Stilrichtungen, blieb jedoch der wahren Volksmusik stets treu. Mit viel Kreativität und Fantasie haben die vier, die sich selbst als “Landeier” bezeichnen, einen einzigartigen Weg gefunden, alle Genres miteinander zu verbinden.
Musikanten aus Leidenschaft sind sie alle: Alexander Maurer, Alexander Neubauer, Stefan Prommegger und Matthias Schorn, Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker. Zum Einsatz kommen neben Klarinetten in verschiedenen Tonlagen auch eine Harmonika und sparsam eingesetztes Schlagwerk. Schon der Konzertauftakt ist eine Show für sich. Zu dem Takt eines Metronoms beginnt in langsamen Klangvariationen die melancholische Komposition “Ten Children” des amerikanischen Bass-Klarinettisten Michael Loewenstern. Als das Publikum schon beinahe in Trance gefallen ist, wechselt das Quartett ohne Vorwarnung zu einem zünftigen Wirtshausmarsch von Anton Gmachl junior.
Und in diesem furiosen Tempo geht es weiter, immer auf dem Sprung zwischen Tradition und Moderne. Märsche, Polkas und Ländler kreuzen sich munter mit sakralen Weisen wie “O magnum Mysterium” von Morten Lauridsen oder einem “Adagio” von Mozart. Aber auch Reminiszenzen an Klezmermusik oder dem Tango Nuevo von Astor Piazzolla fließen in die Vorträge ein. Und egal, was sie spielen, Faltenradio faszinieren ihr Publikum. Selbstverständlich fehlt auch das Mottostück “Landflucht” von Anton Gmachl junior nicht im Programm. Aber auch Gesellschaftskritisches wird präsentiert, wie der Song “Ich hab’s wollen wissen”, einem von der Band arrangierten Lied von Ludwig Hirsch. Zwar ist die Vokalinterpretation mit viel Melodram gespickt, doch letztlich passt es ins Gesamtbild des grandiosen Facettenreichtums, den Faltenradio in petto hat.
Hier sind vier Virtuosen am Werk, denn das geniale Element, das alle Darbietungen wie ein roter Faden durchzieht, geht auch dann nicht unter, wenn es mal in Klamauk und schrille Juchzer ausartet. Kantabile Bögen und sanfte Vokalisen, großartige Soli, versierte Improvisationen und kongeniale Musizierlust prägen die Darbietungen, technisches Können und Interpretationsvermögen sind hier einfach perfekt. Kein Wunder, dass immer wieder Applaus aufbrandet.
Die biographischen Andeutungen, welche die vier Musiker ab und an ins Programm einfließen lassen, sind einerseits unterhaltsam und echte Bekenntnisse zur ländlichen Tradition, andererseits wird da auch mancher Seitenhieb geführt gegen das allzu Volkstümliche. Denn wenn auch Faltenradio für die echte Volksmusik eine Lanze bricht, mit Musikantenstadl-Seligkeit hat das nichts zu tun.
Nach gut zwei Stunden hat das Publikum noch längst nicht genug. Nach dem eigentlichen Finale, einer sehnsuchtsvollen Interpretation von Robert Schumanns “Träumerei”, muss die Band noch mehrere Zugaben geben. Selbst nachdem Christoph Karle jedem der Musiker einen Badischen Winzersekt überreicht hat, gibt es noch ein fulminantes Da Capo mit “Rock me Amadeus”.
Fazit: Ein Konzert mit so vielen Überraschungen, dass als gemeinsamer Nenner die unbändige Musizierlust und Virtuosität dieser vier Vollblutmusiker bleibt.

1. März 2022

Nach dem „Tosca“-Desaster im Theater an der Wien musste man einfach in eine der Vorstellungen der nächsten „Tosca“-Serie an der Wiener Staatsoper gehen, um den Glauben an die Oper wieder zu erlangen. Die vom Publikum geliebte, von einigen Berufskritikern immer wieder verteufelte Inszenierung von Margarete Wallmann bietet auch 64 Jahre nach ihrer Premiere einen idealen Rahmen für einen spannenden Opernabend. Diese Produktion lässt den Sängern viel Freiraum auch immer ihre eigene Persönlichkeit einzubringen, und so konnten wir in bisher 630 Aufführungen viele interessante Besetzungen und aufregende Besetzungskonstellationen erleben. So habe ich allein in der Saison 1976-77 u.a. Montserrat Caballé, Gwyneth Jones, Eva Marton und Leonie Rysanek als Tosca, Giacomo Aragall, Wladimir Atlantow, Carlo Bergonzi, José Carreras, Placido Domingo, James King, Pedro Lavirgen, Bruno Prevedi, Gianni Raimondi und Amedeo Zambon als Cavaradossi sowie Theo Adam, Giampiero Mastromei, Yuri Mazurok, Kostas Paskalis und Eberhard Waechter als Scarpia gesehen. In der folgenden Spielzeit 1977-78 habe ich dann u.a. Ghena Dimitrowa, Gwyneth Jones, Janis Martin, Eva Marton, Johanna Meier, Birgit Nilsson, Leonie Rysanek und Anna Tomowa-Sintow als Tosca, Giacomo Aragall, Franco Bonisolli, José Carreras, Giuseppe Giacomini, James King, Peter Lindroos, Giorgio Merighi, Franco Tagliavini und Amedeo Zambon als Cavaradossi sowie Theo Adam, Sherrill Milnes, Kostas Paskalis, Eberhard Waechter und Ingvar Wixell als Scarpia erlebt. In den letzten 45 Jahren habe ich diese Inszenierung mehr als 250 Mal gesehen. Warum ich das hier erwähne? Hätten wir damals an der Staatsoper bereits eine derartig verunglimpfende Inszenierung gehabt wie sie uns jetzt im Theater an der Wien geboten wurde, dann hätte ich all diese Sänger wohl nicht erlebt, weil ich mir diese Produktion dann kein zweites Mal angesehen hätte. Jeder Operndirektor sollte sich also gut überlegen, ob er die Wallmann-Inszenierung durch eine Neuproduktion ersetzen will.

Elena Stikhina gab in der Titelrolle nun ihr Wien-Debüt. Für Österreich ist die 35-jährige russische Sopranistin ja nicht neu, vor sieben Jahren sang sie in der Salzburger Felsenreitschule (in einer Aufführung des Salzburger Landestheaters) die Micaela in „Carmen“ und 2019 sah ich sie in der Titelpartie von Cherubinis „Medée“ bei den Salzburger Festspielen (in der schlechten Produktion von Simon Stone). Nun konnte man sie als Tosca erleben, nachdem sie diese Partie in den letzten zwei Monaten bereits an der Metropolitan Opera in New York und an der Londoner Covent Garden Opera gesungen hatte. Sie gestaltete glaubhaft die Eifersucht, Frömmigkeit, Zärtlichkeit, Leichtgläubigkeit und mörderische Leidenschaft der Diva und setzte diese Eigenschaften auch musikalisch mühelos mit ihrer glänzenden Stimme und lyrischer Stimmführung um. Nur gelegentlich geraten einige Töne etwas scharf. Ihr „Vissi d’arte“ wurde vom Publikum bejubelt. Nur ihr (gesprochenes) „È avanti a lui tremava tutta Roma!“ mit anschließendem Lachanfall geriet etwas unglaubwürdig und übertrieben. (Und warum trug sie nicht die langen weißen Handschuhe, die sie am Ende des 2. Aktes am Tatort vergisst und die sie als Mörderin Scarpias entlarven?)

Erst vor wenigen Wochen hatten wir in Puccinis „Manon Lescaut“ einen Tenor, der als Chevalier des Grieux den ganzen Abend lang null Leidenschaft auf die Bühne brachte (wie übrigens wenige Monate zuvor schon als Maurizio in „Adriana Lecouvreur“). Nun stand Vittorio Grigolo als Cavaradossi auf der Bühne und das bedeutet mindestens 125% Leidenschaft. Der italienische Tenor ist kaum zu bremsen, und wenn auch manches manieriert erscheint, so überzeugt er doch als Liebender, als politischer Kämpfer, als vom Leben Abschied Nehmender. Stimmlich ist er am Eindrucksvollsten, wenn er langanhaltende, strahlende Stentortöne von sich geben kann („La vita mi costasse“ oder „Vittoria!“). Aber wenn er auch – vor allem im Piano – stimmtechnische Mängel nicht verbergen kann, er singt mit dem Herzen und so berührt er ihm dritten Akt mit einer entrückten Darbietung von „E lucevan le stelle“. Roberto Frontali klang und wirkte als Baron Scarpia im ersten Akt sehr müde. Aber nach der Pause war er wie ausgewechselt. Bereits sein „Ha più forte sapore“ sang er sehr schön und mit der erforderlichen Stimmkraft und auch in den nachfolgenden Szenen mit Cavaradossi und Tosca war er ein gleichwertiger Partner, stimmlich wie darstellerisch.

Aus der restlichen Besetzung (Wolfgang Bankl als Mesner, Andrea Giovannini als Spoletta, Attila Mokus als Sciarrone, Ilja Kazakov als Schließer) sind zwei außergewöhnliche Leistungen hervorzuheben: Marin Häßler machte als Angelotti neuerlich auf seine überaus schöne Stimme aufmerksam und die kleine Julia Oos, die schon die letzte „Peter Grimes“-Aufführung durch ihr beherztes Einspringen gerettet hatte, sang das Lied des Hirten im dritten Akt betörend schön.
Das Orchester der Wiener Staatsoper präsentierte sich in guter Form. Es unterstrich die Spannung auf der Bühne mit einerseits warmen, sinnlichen Farben, andererseits knalligen – aber nie zu lauten – Temperamentsausbrüchen. Da stimmt an diesem Abend fast alles bis in die kammermusikalisch angehauchten, chromatisch absteigenden Sphären zu Beginn des dritten Akts und das hoch sensibel vorgetragene Klarinettensolo in Cavaradossis Sternen-Arie.

Und was war es für eine Freude am Pult endlich wieder Marco Armiliato erlebt zu haben. Er kennt das Orchester der Wiener Staatsoper, aber vor allem kennt er die Akustik des Hauses. Nach all den vielen neuen Dirigenten, die das Orchester in letzter Zeit viel zu laut aufspielen ließen und damit den Sängern auf der Bühne das Leben erschwerten, war dies nun endlich wieder ein Repertoire-Dirigat, wie es besser nicht sein könnte. Am Ende verzichteten die Sänger auf Solo-Vorhänge. (Hatte man Angst, dass es möglicherweise Protestkundgebungen gegen die russische Sängerin geben könnte?) Stattdessen erschien Vittorio Grigolo in einem weißen T-Shirt, auf dem auf der Rückseite ein großes rotes Herz und auf der Vorderseite der Schriftzug NO WAR gedruckt war. Dazu umarmte er seine Partnerin demonstrativ auf das herzlichste. Eine schöne Geste in dieser gerade auch für russische Künstler schweren Zeit.

Musik gegen Spaltung in Thennenberg

Klarinettist Matthias Schorn will für alle da sein, die sich momentan vom Kulturbetrieb ausgegrenzt fühlen.

Der Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker Matthias Schorn ist leidenschaftlicher Musiker und betreibt seit drei Jahren mit Erfolg den Kulturbahnhof in Altenmarkt-Thenneberg. Zurzeit bewegt ihn die sich anbahnende Spaltung der Gesellschaft und auch die geplante Impfpflicht, weshalb er mit Künstlerkollegen wie Nina Proll, Elisabeth Kulman oder Roland Düringer sowie Größen aus Medizin und Wissenschaft die Bewegung „Zukunft JETZT“ unterstützt. Die Initiative beobachtet laut Homepage „mit wachsender Sorge die soziale Spaltung, die Beschneidung von Grundrechten und die Diskriminierung Andersdenkender“.

NÖN: Warum bringen Sie sich bei „Zukunft JETZT“ ein?

Matthias Schorn: „Weil ich ein überzeugter Musikant bin, der einen unbändigen Glauben an den analogen Zauber von Kunst und Musik in sich trägt. Ich bin jemand, der sich wünscht, dass, wenn diese Corona-Krise überstanden ist, dann noch ein paar ‚Verbindungen‘ intakt sind und nicht alles in Schutt und Asche liegt. Dass wir uns die Hände reichen. Dass wir im Gespräch bleiben, dass wir kommunizieren. All das sehe ich bei aller Demut und Bescheidenheit als meine ‚Kernkompetenz‘ als Künstler, als Musiker und dazu möchte ich (m)einen Beitrag leisten. Deshalb bin ich aus Überzeugung Teil der Bewegung ‚Zukunft JETZT‘ und habe ein ‚Manifest für einen humanen und ökologischen Umgang mit der Pandemie‘ mitunterzeichnet und werde versuchen, in meinen Tätigkeitsbereichen als freischaffender Musiker und Veranstalter auch für all die Menschen weiterhin da zu sein, die sich momentan vom Kulturbetrieb ausgeschlossen fühlen. Einfach deshalb, weil mir dieser Teil der Bevölkerung gleich viel wert ist.“

Welchen Beitrag wollen Sie in der Situation jetzt leisten?

Schorn: „Es kann, darf und wird keine Bruchlinie zwischen geimpften und ungeimpften Menschen geben! Daher biete ich allen, die sich vom Besuch meiner Konzerte und Veranstaltungen ausgeschlossen fühlen an, per Stream oder Aufzeichnung digital an diesen teilzunehmen. Schicken Sie mir einfach eine Nachricht mit dem gewünschten Konzert/mit der gewünschten Veranstaltung und dem Wort ‚Stream‘ an [email protected] und Sie bekommen von mir einen Link bzw. die Aufnahme kostenlos zugestellt! Und um konsequent zu bleiben, gehe ich noch einen Schritt weiter: Wenn Sie – so wie ich – das Gefühl haben, dass diese digitale Substitution kein adäquater Ersatz für ein Live-Erlebnis sein kann, dann schicken Sie eine Nachricht mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse und dem Wort ‚Live‘ an [email protected] ! Ich werde einen Termin vereinbaren um persönlich (und selbstverständlich mit ausreichend Abstand) für Sie in Ihrem Wohnzimmer bzw. vor Ihrem Fenster einen Ländler oder ein Schubert-Lied zu spielen.“

Was möchten Sie erreichen?

Schorn: „Man möge mich auslachen, wenn ich behaupte, einen kausalen Zusammenhang darin zu sehen, dass wir momentan volle Krankenhäuser, aber (fast) leere Opern- und Konzerthäuser in unserem Land vorfinden. Ich möchte diesen Zustand als gesellschaftliche Chance begreifen und ein kleiner Wegweiser sein, auf einem Pfad, der uns nicht ‚zurück zur Normalität‘, sondern hin zu mehr Achtsamkeit, Liebe und Verbundenheit mit allem Lebendigen führt.“

Soll aus „Zukunft JETZT“ auch eine „Partei“ werden?

Schorn: „Derartiges ist nicht vorgesehen oder geplant“.

20. Januar 2022

Prominente und “alte” Grüne sprechen sich gegen Impfpflicht aus

Schon vor Wochen hatte der offene Protestbrief des dreifachen Salzburger Olympiasiegers Felix Gottwald für Schlagzeilen gesorgt, gemeinsam mit anderen bekannten Persönlichkeiten hat er die Plattform “Zukunft jetzt” aus der Taufe gehoben.

An seinem 46. Geburtstag am 13. Jänner 2022 machte der Salzburger Olympiasieger Felix Gottwald das Manifest “Für ganzheitliche Gesundheit, Grundrechte und Gemeinwohl” auf seiner Facebookseite öffentlich. 100 Erstunterzeichner und Erstunterzeichnerinnen treten darin für eine individuelle Impfentscheidung ein. Sie appellieren an die Abgeordneten zum Nationalrat, bei der Parlamentssitzung am Donnerstag gegen die Impfpflicht zu stimmen.

“Anstelle einer Impfpflicht für alle ist eine individuelle Entscheidung nach Risikofaktoren vorzuziehen und für entsprechende Beratungsgespräche die nötige Zeit aufzuwenden. Das gilt auch für jede Wiederholungsimpfung. Jede Impfung muss auf einer freien und gut reflektierten Entscheidung basieren”, steht in dem Manifest von “Zukunft jetzt”. Es gehe darum, Alternativen zur Impfpflicht und eine neue Diskussions- und Kommunikationskultur zu entwickeln. Vor allem aber plädieren die Manifest-Unterzeichner für ein “differenziertes Wissenschaftsverständnis”. “EINE von allen anerkannte wissenschaftliche Wahrheit ist ähnlich selten wie ,Konsens’ in der Politik und jedenfalls zeitlicher Entwicklung unterworfen.” Auch die Punze “Wissenschaftsleugner*in” werde deswegen abgelehnt. Abgelehnt werde auch die Einteilung in Getestete, Geimpfte und Genesene – “Gesunde kommen in dieser Einteilung gar nicht mehr vor” – sowie jegliche Form der Diffamierung und Diskriminierung einer dieser Gruppen.

Bekannte Unterstützerinnen und Unterstützer

Mitunterschrieben haben auch Alt-Grüne wie der frühere Salzburger Klubobmann Christian Burtscher und die Ex-Bundessprecherin Madeleine Petrovic, Bestsellerautor und Arzt Rüdiger Dahlke, die Schauspielerinnen Nina Proll und Sabine Petzl sowie ihr Kollege August Zirner, die Kabarettisten Roland Düringer und Gery Seidl, Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb und ihr Mann, der Physiker Wolfgang Kromp, Olympiasiegerin Trixi Schuba, Olympiasieger Bernhard Gruber, die Unternehmer Heini Staudinger (GEA Waldviertler) und Erwin Thoma (Thoma GmbH), der Publizist Christian Felber oder der Musiker Matthias Schorn, Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker. Schorn schreibt in einem offenen Brief: “Es kann, darf und wird keine Bruchlinie zwischen geimpften und ungeimpften Menschen geben! Für diese Haltung und Überzeugung möchte ich einstehen.”

Staudinger: “Eine schlimme Entwicklung”

Unternehmer Heini Staudinger sagte in einem Interview mit der Gratis-Zeitung “Heute”, ein Teil der Leute fände sein Engagement “super, ein anderer Teil sagt, ich bin verrückt und sie wollen nicht mehr bei mir einkaufen.” Staudinger habe es “richtig kränkend und eine Beleidigung gefunden, dass Impfkritiker als Rechtsradikale oder Verschwörungstheoretiker abgestempelt werden. Ich war bei vielen Demos und habe dort keinen einzigen Rechtsradikalen gesehen.” Es sei offenkundig, dass in der Impfgeschichte nicht alle die selbe Meinung haben. “Die, die sich impfen lassen wollen, sollen sich impfen lassen. Dass aber alle gezwungen werden, ist eine schlimme Entwicklung.”

Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb sagte in einem Interview mit “Heute”, sie halte aus Protest gegen 2G keine Vorträge mehr. “Wie man zurzeit mit Wissenschaftlern umgeht, die eine vom Mainstream abweichende Meinung vertreten, geht gar nicht.” Diese würden persönlich diffamiert und hätten mit “negativen Konsequenzen” zu rechnen.

Burtscher: “Ich haue nicht auf die Leute hin”

Die Alt-Grünen Burtscher und Petrovic kritisieren als Unterstützer der Plattform “Zukunft jetzt” die Linie ihrer Parteifreunde in der Regierung. Der Kommentar von Christian Burtscher: “Ich haue nicht auf die Leute hin, habe auch vermittelt, dass es g’scheit gewesen wäre, aus dieser Sackgasse herauszugehen.” Die Grünen distanzieren sich von dieser Kritik. Die grüne Klubobfrau Sigrid Maurer stellte klar, dass die Grüne Partei in Bund, Ländern und im Klub “zu 100 Prozent hinter der Impfpflicht steht”.

In letzter Minute soll die Einführung der Impfpflicht nach Vorstellung von “Zukunft jetzt” noch gestoppt werden, 30.925 Leute haben diesem Anliegen bis Donnerstag (Stand: 12.12 Uhr) ihre Unterstützung gegeben. Bisher prallten aber alle Kritik und auch die organisatorischen Bedenken an der Regierungsspitze ab.

Am Sonntag präsentierten Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) das neue Impfpflichtgesetz.

Bereits im November hatte Felix Gottwald sich aus Enttäuschung über die Coronapolitik der Regierung aus der Bundessport GmbH zurückgezogen. Sein offener Brief damals hatte für viel Wirbel gesorgt, er erntete viel Zuspruch, aber auch Kritik. Zurückgezogen hat er sich dennoch nicht, im Gegenteil, er bezieht weiter öffentlich Stellung.