Die „Blasmusik Supergroup“ blies Corona den Marsch

Mit zwei Konzerten an einem Abend hat die „Blasmusik Supergroup“ am Montag Corona den Marsch geblasen. Die Tournee habe um 18 Uhr begonnen und gehe nun schon wieder zu Ende, begrüßte Thomas Gansch um 20.30 Uhr fröhlich die Konzerthaus-Besucher, unter denen ein ungewöhnlich hoher Lederhosenträger-Anteil auszumachen war. Der Rest der geplanten Auftritte musste pandemiebedingt verschoben werden. Und dennoch wurde deutlich, was der Trompeter eingangs versicherte: „Es taugt uns!“

20 Musiker aus den unterschiedlichsten Stammformationen, u. a. von den Egerländer Musikanten, Mnozil Brass und Blechhauf’n, von LaBrassBanda und den Wiener Philharmonikern waren dem Ruf des Mitbegründers der Gruppe Mnozil Brass gefolgt. Den musizierenden Men in Black stand Gansch in Weiß vor, mitunter als Solist, gelegentlich als Kapellmeister, immer aber als Conférencier mit Entertainer-Qualitäten. Der 45-jährige Bartträger aus Melk, dem ein eigener Konzerthaus-Zyklus gewidmet ist (in dem in der kommenden Saison u.a. Konzerte mit Georg Breinschmid, Benjamin Schmid und Herbert Pixner auf dem Programm stehen), verband Verschmitztheit mit Virtuosität und verflocht plaudernd Familien- und Musikgeschichte.

Im Zentrum des Programms stand die böhmische Blasmusiktradition rund um das Zentralorchester der tschechoslowakischen Armee. Doch schon zum Opener, einem Marsch des „Godfathers der tschechischen Marschmusik“ Julius Fučík (1872-1916), wurde deutlich, was Gansch mit seiner Ansage meinte: „Eine Marschmusik, zu der zieht man nicht in den Krieg, zu der tanzt man!“ Und auch der Konzertwalzer „Goldene Jugend“ von Jindrich Pravecek („Mein Lieblings-Kapellmeister“, 1909-2000) kam für die kommende Lockdown-Lockerung ein wenig zu früh: „Blöd, dass ma noch ned tanzn derfn!“

Zwar war der Sound deutlich näher bei US-Legende John Philip Sousa („Stars and Stripes Forever“) als bei Gipsy-Balkan-Bandas angesiedelt, doch waren die Stücke durchgehend mehr von Lebensfreude denn von Martialität geprägt und ließen – wie beim „Optimisten-Marsch“ von Miroslav Juchelka oder bei Theodor Rupprechts „Don Quixote“ – gelegentlich Anarchisches erahnen oder, zu Praveceks „Kosmos-Marsch“, von „Ost-Hollywood und Holiday on Ice“ (Gansch) träumen. Überhaupt sind Regeln dazu da, infrage gestellt zu werden: Nach einem Virtuosen-Stück von Václav Vackár gab es – horribile dictu – einen echten Handshake zwischen den Solisten Thomas Gansch und Alexander Wurz am Tenorhorn, bei einem Solostück für vier Klarinetten ergänzte Gansch kurzerhand selbst seine aus Matthias Schorn, Johann Hindler und Michael Gruber gebildete hochkarätige Klarinetten-Gruppe.

Für die „Konzertwertung“ gab es zwischendurch noch die Festliche Ouvertüre von Dmitri Schostakowitsch und zum Abschluss des fröhlichen Konzertabends eine trotz des optimistischen Titels erstaunlich dunkel gehaltene Eigenkomposition von Thomas Gansch: „Wead schon wieda wean“. Und so verabschiedete sich der vielseitige Musiker mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen im Herbst – „so es die Virenlast erlaubt“.