Faltenradio brachte einen ganzen Tierpark mit

Die österreichischen Spitzenmusiker boten dem Publikum geklatschte Zwiefache und Bodypercussion.

Brunft und Jagd können nie gemeinsam stattfinden.“ Deshalb findet beides auf der Bühne im Foyer des Landsberger Stadttheaters auch abwechselnd statt. Zwei Steirische möseln in der Tiefe der Gefühle, zwei Klarinetten lachen sie aus ob ihrer schwerfälligen Annäherungsversuche. Das Ganze war der Beginn der aktuellen Veranstaltung von s’Maximilianeum. Die Landsberger Kleinkunstbühne hatte „Faltenradio“ ein weiteres Mal engagieren können und die vier österreichischen Spitzenmusiker Matthias Schorn, Alexander Maurer, Alexander Neubauer und Stefan Prommegger brachten als Dank nicht nur Diatonische, Cajon, Gitarre, Glöckchenband und ein ganzes Sortiment an Klarinetten, sondern gleich einen ganzen Tierpark mit.

„Zoo“, so heißt das aktuelle Programm, ist eine Hommage an Viecher in der Musikliteratur. Die gibt es schließlich nicht nur im bekannten „Karneval der Tiere“. Vielmehr sprangen sie seit Jahrhunderten munter über die Notenlinien, inspirierten Komponisten des Barock ebenso wie Romantiker. Mitunter hießen auch Musiker wie ein Tier –möglicherweise wegen dessen Gesangs. Faltenradio also balzte erst mal im nicht ganz voll besetzten Foyer. Danach durfte Tarquinio Merula (= Amsel), zu Wort beziehungsweise Ton kommen. „Es gibt kaum ein Tier, das so viel kann wie ein Käfer.“ Wenn alle Arten zusammengenommen werden, dann hat Faltenradio da recht. Was diese Käfer aber mit John Dowlands Liebesseufzer „Come again“ oder mit dem Yellow Submarine der Beatles, das so hervorragend, weil gleiche Tonart, das Renaissance-Stück übernahm und fortführte, zu tun haben, das erschloss sich nicht jedem der Zuhörer. Möglicherweise war es die Lautmalerei vom „Beatle“ zum „Beetle“, dem Käfer.

Überhaupt waren die gesprochenen Überleitungen mitunter recht skurril und scheinbar ohne Zusammenhang. Sie mussten halt sein, weil das Instrumentarium fürs nächste Stück präpariert werden musste. Was soll’s, Faltenradio überzeugte und begeisterte mit hervorragender Musik, mit Arrangements, die nahtlos von der Klassik in Alpenländisches wechselten, mit geklatschtem Zwiefachen und Bodypercussion, bei der einem beim Zuschauen ganz schwindlig wurde. Letzteres bot Faltenradio auch langsam, zum Mitmachen, quasi als Workshop im Schnelldurchlauf an.

Mit dem Hummelflug verabschiedeten sich die Zoowärter in die Pause, als Affen, tierische Urlaute kreischend, kamen sie zurück. Jetzt wurde es modern, aber nicht weniger tierisch. Mogli bekam gute Ratschläge, der einsame Cowboy trieb seine muhende Herde über die Steppe. „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“? Bei Falco, auf den sie in Österreich immer noch mächtig stolz sind und der natürlich nicht fehlen durfte, ist das Fehlanzeige. Der rockte als „Superstar“ auf der kleinen Landsberger Bühne und vielleicht ist er wirklich Teil des Faltendradio-Zoos. Weil er ein Exot ist oder einfach nur wegen seiner Hündchen, die er meist dabei hatte.

Logo: Matthias Schonr